Kuppel Synagoge Regensburg

Dr. Gollwitzer -

Dr. Linse und Partner

Beratende Ingenieure im Bauwesen mbB


Holzbau - Tragwerksplanung - Konstruktiver Ingenieurbau  Wasserbau - Gutachten - Instandsetzungen - Statik


Bauwerk


Aus der Dachlandschaft der Altstadt von Regensburg unweit des Doms erhebt sich die metallgedeckte Kuppel der Synagoge. Der ruhig proportionierte Synagogenraum erhielt eine auf 4 Stützen schwebende nach Osten ausgerichtete Holzschale, die eine innovative Holzkuppel aus 20 doppelt gekrümmten Sicht-Brettsperrholzelementen überwölbt.

Es ist unserer Kenntnis nach die erste Kuppel weltweit, die mit doppel-gekrümmten Brettsperrholzelementen gebaut wurde.


Fotos:

Stefan Katzlinger

Marcus Ebener



Holzschale

Synagoge Regensburg


Staab Architekten Berlin

Jüdische Gemeinde Regensburg

Bauzeit 2016 - 2019

Deutscher Ingenieurbaupreis 2020

Auszeichung

Doppelt gekrümmtes Brettsperrholz für die Dachschale

Die Kuppel der Synagoge ruht auf vier Eckstützen aus Stahl. Ihre Form entspricht einem Kugelausschnitt mit einem Radius von 25 Metern und einem Stich von etwa 1,64 Metern, der an den Kanten eines einbeschriebenen Quadrats mit einer Seitenlänge von 13 Meter vertikal abgeschnitten wurde. Die Schale besteht aus 20 doppelt gekrümmten Einzelsegmenten aus 12,6 Zentimeter dickem Brettsperrholz, die in der Grundrissprojektion dreiecksförmig sind und im höchsten Punkt der Kuppel wie "Orangenschnitze" zusammentreffen. Es gibt fünf unterschiedlich geformte Segment-Typen, die jeweils einen Kuppel-Quadranten ausbilden. Um sie transportieren zu können, sind ihre Außenmaße auf 9 Meter Länge und 2,35 Meter Breite begrenzt – die Ecksegmente etwa erreichen diese Größe.

Alle Dachsegmente bzw. -elemente bestehen aus sieben kreuzweise verklebten Brettlagen. Da konstant breite Brettstreifen auf einer doppelt gekrümmten Oberfläche nicht parallel zueinander verlaufen können, ergeben sich – ungewollt, aber zwangsweise – klaffende Fugen. Die Kuppelinnenseite erhielt daher zur optischen Glättung zusätzlich eine aufgeleimte, 15 Millimeter dünne, weiß lasierte Fineline-Furnierschicht aus hochkant und damit leicht formbaren Furnierlagen.

Eingerahmt wird die Kuppel von vier bogenförmigen Stahlprofilen (HEB 160), die in den Ecken von eingespannten Stützen aus Stahlrundrohr gehalten werden. Die etwa 5,5 Meter langen Stützen stehen auf der Synagogenempore. Horizontal sind sie zusätzlich am Betonflachdach gehalten, so dass sie statisch als 2,5 Meter lange Kragarme mit einer Einspannlänge von 3 Metern wirken. Als einzige horizontale Halterung der Kuppelschale wären sie jedoch zu weich gewesen, das heißt eine dünne Schale mit einer Schlankheit h/L von 100 und einem solch flachen Stich lässt sich nicht alleine durch die auskragenden Stützen stabilisieren. Daher wurden knapp unterhalb der Stützenköpfe umlaufend Zugstäbe angeordnet, die das Gesamtsystem zusammenspannen, die Stützenköpfe in ihrer Lage halten und den allseitigen Horizontalschub aus der Kuppel aufnehmen. So lagert die Holzschale für den Betrachter unsichtbar auf eingelassenen Stahlträgern (R = 23,90 Meter). Die Zugstäbe dagegen konnten die Architekten geschickt hinter der Glasfassade verstecken.

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