Synagoge Regensburg

Dr. Gollwitzer -

Dr. Linse und Partner

Beratende Ingenieure im Bauwesen mbB


Holzbau - Tragwerksplanung - Konstruktiver Ingenieurbau  Wasserbau - Gutachten - Instandsetzungen - Statik


Holzschale

Synagoge Regensburg


Staab Architekten Berlin

Jüdische Gemeinde Regensburg

Bauzeit 2016 - 2019

Deutscher Ingenieurbaupreis 2020


Würdigung der Jury - Auszeichnung


Mit der hölzernen Kuppel der Synagoge Regensburg wurde die Idee der Architekten von einer schwebenden kugelabschnittförmigen Kuppel über quadratischem Grundriss ingenieurmäßig hervorragend umgesetzt. Die Kuppel hat eine glatte Untersicht, auf sichtbare Tragrippen wurde verzichtet. Mit dem Kuppelbauwerk wurde gezeigt, wie Eleganz, technische Brillanz und ein sorgsamer wie sparsamer Umgang mit Baustoffen innerhalb einer überzeugenden Lösung vereint werden können. Mit einer Spannweite von 13 Metern im Quadrat bei einem Stich der Kuppel von nur 1,64 Meter und einer Schlankheit der tragenden Schale h/L = 100 bei maximaler rechnerischer Verformung der Randträger von nur 30 Millimetern (L/400) wurde hier eine hölzerne Kuppel geplant und realisiert, die in dieser Dimension bisher nur mit Hilfe von sichtbaren Rippen möglich schien. Die Sichtoberflächen der Kuppelunterseite aus kreuzweise verleimten gekrümmten Brettlagen (Brettsperrholz) mit unterseitiger Furnierschichtholzlage haben den architektonischen Wunsch ingenieurmäßig umgesetzt und die Tragkonstruktion sichtbar gestaltet. Die Vorgabe als schwebende, nur auf den vier Eckstützen lagernde Dachkonstruktion hat stählerne Zugbänder als Randeinfassung der Holzkonstruktion statisch erforderlich gemacht; die ingenieurtechnische Ausführung dieses Stahlrahmens ist geschickt „gut versteckt“ eingebunden und bleibt für den Betrachter unsichtbar. Hervorzuheben ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Tragwerksplaner und Konstrukteure mit der handwerklichen Umsetzung. Die Konstruktion des Tragwerkes mit innovativem Ansatz der Holzverarbeitung zur ingenieurtechnischen Umsetzung der Gestaltungsabsicht des Architekten erfüllt damit die Wettbewerbsanforderungen des Deutschen Ingenieurbaupreises 2020 in überzeugender Weise.

Doppelt gekrümmtes Brettsperrholz für die Dachschale

Die Kuppel der Synagoge ruht auf vier Eckstützen aus Stahl. Ihre Form entspricht einem Kugelausschnitt mit einem Radius von 25 Metern und einem Stich von etwa 1,64 Metern, der an den Kanten eines einbeschriebenen Quadrats mit einer Seitenlänge von 13 Meter vertikal abgeschnitten wurde. Die Schale besteht aus 20 doppelt gekrümmten Einzelsegmenten aus 12,6 Zentimeter dickem Brettsperrholz, die in der Grundrissprojektion dreiecksförmig sind und im höchsten Punkt der Kuppel wie "Orangenschnitze" zusammentreffen. Es gibt fünf unterschiedlich geformte Segment-Typen, die jeweils einen Kuppel-Quadranten ausbilden. Um sie transportieren zu können, sind ihre Außenmaße auf 9 Meter Länge und 2,35 Meter Breite begrenzt – die Ecksegmente etwa erreichen diese Größe.

Alle Dachsegmente bzw. -elemente bestehen aus sieben kreuzweise verklebten Brettlagen. Da konstant breite Brettstreifen auf einer doppelt gekrümmten Oberfläche nicht parallel zueinander verlaufen können, ergeben sich – ungewollt, aber zwangsweise – klaffende Fugen. Die Kuppelinnenseite erhielt daher zur optischen Glättung zusätzlich eine aufgeleimte, 15 Millimeter dünne, weiß lasierte Fineline-Furnierschicht aus hochkant und damit leicht formbaren Furnierlagen.

Eingerahmt wird die Kuppel von vier bogenförmigen Stahlprofilen (HEB 160), die in den Ecken von eingespannten Stützen aus Stahlrundrohr gehalten werden. Die etwa 5,5 Meter langen Stützen stehen auf der Synagogenempore. Horizontal sind sie zusätzlich am Betonflachdach gehalten, so dass sie statisch als 2,5 Meter lange Kragarme mit einer Einspannlänge von 3 Metern wirken. Als einzige horizontale Halterung der Kuppelschale wären sie jedoch zu weich gewesen, das heißt eine dünne Schale mit einer Schlankheit h/L von 100 und einem solch flachen Stich lässt sich nicht alleine durch die auskragenden Stützen stabilisieren. Daher wurden knapp unterhalb der Stützenköpfe umlaufend Zugstäbe angeordnet, die das Gesamtsystem zusammenspannen, die Stützenköpfe in ihrer Lage halten und den allseitigen Horizontalschub aus der Kuppel aufnehmen. So lagert die Holzschale für den Betrachter unsichtbar auf eingelassenen Stahlträgern (R = 23,90 Meter). Die Zugstäbe dagegen konnten die Architekten geschickt hinter der Glasfassade verstecken.

Dr. Gollwitzer -  Dr. Linse  und Partner

Beratende Ingenieure im Bauwesen mbB

Wir sind ein mittelgroßes Ingenieurbüro, gegründet 1997, spezialisiert auf anspruchsvolle Tragstrukturen im Holzbau, Konstruktiven Ingenieur- und Wasserbau mit Sitz in der Nähe des Hbf München.

GLi

Karlstr. 42

80333 München


Telefon: +49 89 1250 100 20

Email: mail@gl-i.de